Fundgrube
Seemannssprache
Über den Ursprung der deutschen Seemannssprache
hat der Marine-Oberpfarrer Goedel in der „Marine-Rundschau” 1893 eine höchst verdienstvolle Arbeit über diesen Gegenstand veröffentlicht. Der Verfasser weist darin nach, daß die deutsche Seemannssprache ihren Ursprung dem Niederdeutschen verdankt. Er sagt:
„Es kommt hier ganz besonders das Niedersächsische in Betracht, welches zwischen Weser und Ems, also auf dem alten ostfriesischen Boden gesprochen, und das Niedersächsisch-Friesische, welches um das Jahr 1300 das Altfriesische verdrängt hat. Hier ist die Wiege der deutschen Seemannssprache zu suchen. Hier ist ihre eigentliche Heimat Die Geschichte lehrt, daß die deutschen Kiele die Meere durchfurchten, als die Engländer noch Küstenschiffer waren. Die deutschen Schiffe warfen zu einer Zeit, lange vor der Hansa, in englischen Häfen Anker, wo man in deutschen Häfen vergeblich nach der englischen Flagge ausschaute Wenn trotzdem jetzt zahlreiche Seemannsausdrücke mit den entsprechenden englischen ganz gleich lauten, so kommt dies daher, daß die englische Tochter der deutschen Mutter auf den Mund gesehen hat, und nicht umgekehrt.”
Die größte Verwirrung ist später durch die Übersetzung unserer Seemannsausdrücke ins Hochdeutsche entstanden, was von Goedel klar nachgewiesen wird, so daß er z. B. sagen kann:
„Das Eselshaupt hat etymologisch so wenig mit dem Esel zu tun, wie das Kielschwein mit dem Schwein.” Vergl. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache von Gustav Goedel 1902.
Literatur:
Gustav Goedel. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache, Kiel und Leipzig 1902, Verlag Lipsius & Tischer.
Friedr. Kluge, Seemannsprache Wortgeschichtliches Handbuch Deutscher Schifferausdrücke älterer und neuerer Zeit auf Veranlassung des Königlich Preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts u. Medicinal Angelegenheiten
Kassel 1911 Nachdruck Kassel 1973
Paasch: „Vom Kiel zum Flaggenknopf”



















