Fundgrube

Sonntag, 16. April 2017 21:50 Alter: 72 Tage

Der Törn

von den Besonderheiten der Seemannssprache

(Bild 1) Rundtörn – J.Tom Burgess

(Bild 2) Knoten Kusk-Jensen

Aufgestöbert im Archiv

Der Törn …  von den Besonderheiten der Seemannssprache

Was für den Autofahrer der Trip, die Landratte die Tour, den Musiker die Tournee, ist für den Seefahrer der „Törn“.  Dabei heißt es schlicht einmal rum. (Bild 1)Jedoch wurde und wird es in der Seefahrt in vielfacher Hinsicht verwendet.  Das früher bei Blauwasserseglern und Langreisen verwendete Etmal, die Strecke über 24 Std.  ist bei Sport/Lust/Hobbyseglern dem Törn gewichen, dem Begriff für eine Tour. Ein Segeltörn ist die heutige Bezeichnung für eine Strecke, eine Regatta oder auch für eine ganze Reise, die mit einem Segelboot, einer Segelyacht oder einem Motorsegler unter Segeln zurückgelegt wird. Der Hauptzweck ist dabei das Segeln selbst und weniger die Beförderung von Personen und Gütern. Man macht einen Tagestörn oder den Frühjahres-,  Sommer-, Herbst- oder auch Wintertörn. Man spricht von einem Meilentörn, wenn der Törn auf das Zurücklegen größerer Strecken ausgerichtet ist. Ein Ausbildungstörn bezeichnet einen Segeltörn, bei dem die Mitsegler für den praktischen Teil eines Segelscheins ausgebildet werden. Bei einem Schwerwettertörn lernen Skipper das Verhalten im Sturm und die Sturmtaktik. Von einem Überführungstörn spricht man, wenn Ziel des Törns die Überführung einer Yacht an einen anderen Ort ist. Solche Törns stellen sich in der Praxis meist als Meilentörns dar.

 

Törn  english  turn, französisch tour heißt einfach „Drehung“.  Für den Seemannsknoten steht er schlicht für einmal rum. Daraus macht der Seemann zunächst einfach ein „Auge[1]“. Wir finden ihn beim einfachen Rundtörn und den daraus abgeleiteten Varianten,(Bild 2)  die einfachste Art mit einem Tau  erstmal den Zug abzubremsen. (Bild 3Ashley-Nr.40)    Im Seemannsalltag  war aber auch eine Arbeitsschicht ein Törn und die Überstunde ein Zusatztörn. Und zur verdienten Ruhe törnte er in seine Koje ein. In seiner Freizeit war der Zug durch die Kneipen je nach den Umständen ein Langzeittörn und der obligatorische Besuch bei den „Damen“ ein Kurztörn.  In der multinationalen Seemannsverständigung hieß törn to einfach mach zu/voran  oder hessisch mach hinne,  norddeutsch mookt man to oder kurz man to.

 

 

Gerd Büker

Schiffshistorisches Archiv

 

Literatur:

J.Tom Burgess, Knots, ties and splices, Boston 1884

Clifford Ashley, The Ashley Book of Knots, New York 1944

Jens Kusk-Jensen, Håndbog i praktisk Sømandskab, Kopenhagen 1901

Reich/Pagel, Himmelsbesen über weißen Hunden, Rostock 1981

Jürgen Rath, Schiffszwieback, Pökelfleisch und Koje, Hamburg 2004


[1] Das Auge bezeichnet in der Knotenkunde eine einfache Form, die sich durch das Bilden eines Kreises auszeichnet. 

Ashley-Nr.40



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